Nein, selbstherrlich ist Jesus sicherlich nicht. Vielmehr bittet ER: “Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.” (Joh 17,1) Nur in der ‘Rückkopplung’ an den Vater kann Verherrlichung geschehen. Doch was meint eigentlich Verherrlichung? Mir geht es zumindest so, dass der Ausdruck selbst für mich nicht so positiv besetzt ist. Da schwingen für mich eher Selbstbespiegelung und Selbstherrlichkeit mit.
Doch Jesus meint mit Verherrlichung das Eingehen in die Seinsweise Gottes. ER ist ganz Mensch geworden und bittet nun den Vatergott, dass ER ganz in IHN eingehen und in IHM aufgehen kann.
Später im Abschnitt, den wir heute hören, bittet Jesus auch für uns. “Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein;in ihnen bin ich verherrlicht.” (Joh 17,9-10)
Das ist dann wohl die ‘Krönung’ der Verherrlichung - und wir sind da mit hinein genommen und genauso ‘rückgekoppelt’ an den Vater. Jesus möchte, dass wir wie ER ganz Gott angehören und ER verherrlicht sich in uns. Ist das nicht wunderbar?
Tags: Johannesevangelium
Aufbewahrung - bewahren. Im ersten Moment denke ich: ich brauche Platz für all das, was ich aufbewahren möchte. Ein zweiter Gedanke ist weniger materiell und zielt eher in die Richtung, wie Jesus es meinte, wenn wir die Verse aus dem Johannes-Evangelium (Joh 17,11-19) heute hören: das klingt zuerst fast ‘konservativ’. Da gehört einer zu den ‘Bewahrern’, zu denen, die das, was ihnen wertvoll ist, behalten und vielleicht an andere Generationen weitergeben möchte - und das sind vor allem Werte, Moralvorstellungen, vielleicht auch Glaubenspraxis. Was meint wohl Jesus, wenn er spricht: “Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.” (Joh 17,11)? Wir Menschen liegen Jesus am Herzen. Im Namen des Vaters sollen wir bewahrt werden. Der ist in der Taufe über uns ausgerufen worden: “Im Namen des Vaters,… taufe ich dich…” - Und in der Einheit mit IHM sollen wir bewahrt werden. Das ist eine große Bitte, die Jesus da ausspricht. Wir bedeuten IHM sehr viel. Immerhin hat ER sich auch mit seinem Leben für uns eingesetzt. In diesen Tagen vor Pfingsten, die ganz in im Licht der Einheit stehen, dürfen wir den Hl. Geist bitten, dass wir uns dieser Würde neu bewusst sind. Wir sind zur Einheit berufen - zu Bewahrern der Einheit mit dem Vater in Jesus durch den Hl. Geist.
Tags: Johannesevangelium
“Hallo, hier spielt die Musik!” - So oder ähnlich hört man schon mal eine Ermahnung, wenn z. B. ein Kind mit seinen Gedanken ganz woanders ist und es seine Aufmerksamkeit eigentlich vermeintlich Wichtigerem zuwenden sollte. - Wenn ich mir die Situation der Jünger am Himmelfahrtstag so vorstelle, dann könnte das wohl auch so sein. Da starren sie mit weit aufgerissenen Augen und offenen Mündern dem Herrn hinterher. Weg ist er! Einfach ihren Blicken entrückt! - Doch, hier spielt die Musik! Hier, in unserer Welt. Das hat ER uns verheißen: “Ich bin bei euch bis ans Ende der Welt!” - Wohl oder übel werden die Jünger auf den Boden der Tatsachen zurück geholt und uns ergeht es so ähnlich. Nicht die besonderen ‘erhebenden’ Augenblicke sind es, die das Leben ausmachen. Die sind eher ein Zu-Brot. Im Alltag soll der Glaube sichtbar werden. Und dazu braucht es ‘bodenständige’ Menschen, die nicht ewig in den ‘Himmel’ starren, denn ‘hier, spielt die Musik!’.
Tags: Christi Himmelfahrt
Wohin soll ich mich wenden? So ähnlich, wie es in diesem Lied heißt, erging es wohl dem Paulus. Im Abschnitt aus der Apostelgeschichte, die heute liturgisch dran ist, ist Paulus mal wieder auf Reisen - auf seiner zweiten Missionsreise. Auf der einen Seite verwehrt ihm der Hl. Geist nach Asien zu reisen, um dort seine missionarische Tätigkeit fortzusetzen. In einer Vision wird er nach Mazedonien gerufen. - Wohin sollen wir uns wenden? Jeder Christ ist gesandt. Haben wir auch noch Visionen? Werden wir gerufen, anderen zu helfen mit der rettenden, froh machenden Botschaft? Ich denke, dass jede/r von uns, der sich Christ nennt, eine “Mission” zu erfüllen hat. Vielleicht gibt der heutige Tag mal wieder Gelegenheit, in sich hinein zu hören und zu schauen, wie sich das “X” - die unbekannte Größe - in unserer Mission ausfüllen lässt. Der Hl. Geist ist dabei eine fixe Größe, oder?
Tags: Apostelgeschichte
Wer mit “ich bin…” einen Satz beginnt, ist von sich überzeugt, kennt sich selbst gut. Natürlich kann so ein Satz auch beginnen, um mich vorzustellen. Wenn Jesus heute im Evangelium (Joh 15) von sich sagt: “Ich bin der Weinstock…”, dann ist das ein Bild für eine Seinsweise. Wer würde denn schon von uns ‘normalen’ Menschen z. B. sagen: “Ich bin die Eiche.. oder ich bin der Stock…”? Eher kann man von unsereiner eine Berufsbezeichnung hören, wie etwa “Ich bin Mechaniker, Köchin, oder Ordensfrau”, etc. - Über das Bild des Weinstocks wurde wohl schon viel geschrieben. Ein Bild, das auch im Alten Testament vorkommt und das Jesus auf sich überträgt. ER hätte ja auch von sich sagen können: “Ich bin der Baum…”. Mit diesem Bild hätten wir wohl auch viel anfangen können. Aber er bezeichnet sich nun mal als Weinstock, an dem die Reben (also wir) hängen. Frucht können sie nur bringen, wenn sie am Weinstock bleiben - und aus ihnen wird später einmal Wein. Das kann man von Früchten ‘normaler’ Bäume wohl nicht behaupten, obwohl es durchaus auch Apfelwein gibt, nicht wahr?
Am Weinstock sollen wir bleiben, ER durchströmt uns mit seinem Lebenssaft; erst durch dieses Elixier sind wir in der Lage Frucht zu bringen. Aus uns allein können wir nichts ‘fruchtbares’ tun. Das geht nur in Verbindung mit IHM. Das wünsche ich uns heute besonders. Dass wir uns an dieser ‘Abhängigkeit’ freuen können. Sie ist nicht einengend, sondern macht frei.
Tags: Johannes-Evangelium
Den heutigen Sonntag nennt man landläufig in der kath. Kirche auch den “Gute-Hirten-Sonntag”, da heute der Abschnitt aus dem Johannesevangelium gelesen wird, der vom Guten Hirten handelt (Joh 10,11-18). Für die meisten Menschen ist das Bild des Hirten fremd geworden. Manchmal sieht man noch ab und zu einen Hirten, der mit seiner Schafherde unterwegs ist. So ist das, was Jesus damals so gut mit diesem Bild verbunden hat, weil ja Hirten zum ‘normalen’ Leben dazu gehörten, für uns etwas schwerer zu verstehen. Ein Hirt kennt seine Schafe. Er ruft sie beim Namen. Und die Schafe kennen die Stimme des Schäfers, des Hirten. - So kennt Gott jeden von uns, wir sind keine “Massenware” für IHN. Jede und jeder ist IHM wertvoll. IHM liegt etwas an uns, keiner ist IHM gleichgültig. “Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.” (Joh 10,16) - Gott beschränkt sich nicht auf wenige Auserwählte - es gibt noch die anderen, die IHM genauso wichtig sind. Und deshalb ruft ER auch heute noch. Darauf vertraue ich ganz fest - vor allem, dass viele Menschen Seinem Ruf folgen. Es gibt sie noch - die Menschen, die sich nicht als “Massenware” verstehen, die wissen, dass sie persönlich geliebt sind, dass Gott ihnen Vertrauen schenkt.
Tags: Johannes-Evangelium
So beginnt ein Frühlingslied. Mittlerweile hat sich der Frühling schon überall in Deutschland durchgesetzt. Heute am 1. Mai ist ja kein kirchlicher Feiertag. Den “Tag der Arbeit” hat man dann nur zum Anlass genommen, um des hl. Josef, des Zimmermanns, zu gedenken.
Jesus hat wohl wie sein Nährvater das gleiche Handwerk ausgeübt und damit den Lebensunterhalt verdient. Über diesen Lebensabschnitt Jesu weiß man so gut wie nichts (wenigstens gibt die Bibel darüber keine Auskunft). Aber so ein Tag gibt schon Anlass über “die Arbeit” nachzudenken. Welchen Sinn hat Arbeit? Wie ist mein Verhältnis zur Arbeit? Hat mein Leben nur einen Sinn, wenn ich “Arbeit” habe? Beziehe ich meinen Selbstwert nur aus dem, was ich tue? - Im Zusammenhang mit Arbeit gibt es viele Fragen, gerade auch heute, wo sich die Situtation auf dem Arbeitsmarkt zuspitzt. Ich finde es gut, wenn “die Kirche” Stellung bezieht zu diesem Thema. Aber nicht nur das Reden (wie es heute vielerorten so ist) ist wichtig, genauso das Handeln - und zwar nicht nur bei uns in Deutschland, sondern weltweit. Ausbeutung, Verletzung von Menschenrechten, etc. … Der 1. Mai - also ein Tag, der nachdenklich macht. Mir geht es wenigstens so.